Entfernung von der Truppe

Kriegsdienstverweigerung und Desertion im Dritten Reich mit biografischen Teilen zu Franz Jägerstätter, Hermann Stöhr und Heinrich Böll
Länge: 36,70 m

... wenn einmal der Nebel sich verteilt hat, in dem wir leben, dann wird man sich fragen, warum nur einige, warum nicht alle sich so verhalten haben.
Martin Gauger

Dass Menschwerdung dann beginnt, wenn einer sich von der jeweiligen Truppe entfernt, diese Erfahrung gebe ich hiermit unumwunden als Ratschlag an spätere Geschlechter.
Heinrich Böll


Hermann Stöhr
1898
am 4. Januar in Stettin geboren
1914-1918 Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg
1919-22 Studium der Volkswirtschaft, Promotion
Ab 1923 Mitarbeit beim Internationalen Versöhnungsbund, verschiedene berufliche Tätigkeiten.
Ab 1931 arbeitslos "in Folge seiner pazifistischen Haltung"
1936 Gründung eines kleinen Verlages
1939 nach dem 2. März verweigerte er nach dem Erhalt des Einberufungsbefehls den Kriegsdienst, erklärte sich aber zum Ersatzdienst bereit. Am 31. August Festnahme in Stettin, am 10. Oktober zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. 17. November Eidverweigerung auf Hitler
1940 am 16. März Verurteilung zum Tode. Am 21. Juni um 6:00 Uhr Hinrichtung durch Enthauptung in Plötzensee.
Sein Grab fiel 1978 einer Autobahnplanung zum Opfer.


Franz Jägerstätter
1907
am 20. Mai in St. Radegund, Oberösterreich geboren. Er wuchs auf einem Bauernhof auf.
1936 Heirat mit Franziska Schwaninger. Bewirtschaftung des Bauernhofs.
1938 im Frühjahr nach der Besetzung Österreichs stimmte er bei der anschließenden Abstimmung als einziger des Dorfes mit Nein.
1940/41 Soldat bei der deutschen Armee, April 1941 Rückkehr ins Heimatdorf.
1943 Erneute Einberufung am 23. Februar, der er nicht nachkam. Am 2. März Verhaftung in Enns, wo er erklärte, dass er um seines katholischen Glaubens willen den Kriegsdienst verweigere. Am 6. Juli Verurteilung zum Tode vor dem Reichskriegsgericht in Berlin. Am 9. August 1943 wurde er in Brandenburg - Görden enthauptet.


Heinrich Böll
1917
am 21. Dezember als Sohn eines Tischlermeisters geboren.
1928-37 Besuch des Gymnasiums
1937/38 Buchhändlerlehre, erste schriftstellerische Versuche
1938/39 Reichsarbeitsdienst, im Spätsommer 1939 Einberufungsbefehl
1940 im Mai/ Juni als Soldat in Polen und Frankreich
1941 nach Entlassung aus dem Lazarett als Wachsoldat im Rheinland
1942 Heirat mit Annemarie Cech
1943 im Sommer als Soldat in der SU, wo er verwundet wurde.
August bis November 1944 Lazarettaufenthalt, danach floh er mit falschen Urlaubsbescheinigungen nach Hause. Mit Hilfe eines Arztes erzeugte er künstlich hohes Fieber und versteckte sich auf dem Dorf.
1945 von März bis September in amerikanischer Gefangenschaft.