Zerstörung und Erlösung

Kriegsdienstverweigerung und Desertion im Dritten Reich
Länge: 22,00 m

Der Mensch muss lernen, dass der Sinn des Lebens ist, Beispiel zu sein. Ein Mensch sollte sich selbst immer so sehen, als sei die Welt halb schuldig und halb verdienstvoll. Eine einzige Tat kann die Waage der ganzen Welt zur Seite des Verdienstes oder zur Seite der Schuld neigen. Jeder Mensch hat zu allen Zeiten Teil an der Zerstörung oder an der Erlösung der Welt.
A.J. Heschel



Franz Mattischek
1915 am 15. August in Wolfsegg/Österreich geboren. Aus wirtschaftlichen Gründen zog die ganze Familie in den 20er Jahren ins Ruhrgebiet.
1930 Rückkehr nach Österreich. Malerlehre und Arbeit als Geselle
1938 wurde er eingezogen und verweigerte als Zeuge Jehovas den Fahneneid. Vom Kasernenplatz weg wurde er in die Festung Germersheim/Rhein ins Gefängnis gebracht, wo er ein Jahr bleiben musste.
1939 wurde er nach seiner Entlassung erneut eingezogen. Er verweigerte den Fahneneid wiederum und wurde zum Tode verurteilt.
Am 2. 12.1939 wurde er in Berlin- Plötzensee hingerichtet.
Während der Nazizeit waren seine Eltern Theresia und Wolfgang Mattischek und seine Brüder Hubert und Willi um ihres Glaubens willen sechs Jahre im Konzentrationslager.


Gustav Stange
Der gelernte Schuhmacher wohnte bis zu seiner Einberufung in Stuttgart.
1942 am 20. Januar erhielt er seinen Einberufungsbefehl, bei dem er beim WBK Ludwigsburg erklärte, als Zeuge Jehovas könne er keinen Kriegsdienst und Eid auf Hitler leisten. Verhandlung vor dem Kriegsgericht in Stuttgart.
Am 20.2.1942 wurde ihm sein Todesurteil mitgeteilt. Am selben Tag wurde er hingerichtet.
Auf dem Stuttgarter Steinhaldenfriedhof wurde er ohne Grabstein außerhalb des eigentlichen Geländes beigesetzt. Die Witwe erhielt keinerlei Unterstützung.



Otto Schimek
1925 am 5. Mai in Wien geboren. Er wurde in einer 15-köpfigen Arbeiterfamilie groß. Ausbildung zum Tischler
1938 Einberufung zur deutschen Armee
nach 1941 wahrscheinlich als Soldat in Jugoslawien
1944 war er im November als Soldat in Machowa/Südpolen, wo er nach Zeugenaussagen der einheimischen Bevölkerung Kontakt zu Widerstandskämpfern hatte. Nach Gefangennahme derselben Weigerung, sich an der Hinrichtung zu beteiligen. Eventuell versuchte er zu desertieren. Ein Feldgericht in Pilzno verurteilte ihn zum Tode.
Am 14. November 1944 wurde er "wegen Feigheit vor dem Feind", vermutlich in Lipiny, erschossen.
Die polnische Bevölkerung pflegt bis heute sein Grab in Machowa.


Rainer Beck
1916 als Sohn des späteren sozialdemokratischen Polizeipräsidenten von Gleiwitz geboren. Die Mutter war Jüdin.
1933 als 16-jähriger von der Oberschule verwiesen. Später ging er zur Marine, weil er sich dort halbwegs sicher glaubte.
Als Soldat in Holland.
Im September 1944 erhielt er einen Marschbefehl nach Deutschland. Er desertierte und versteckte sich bis Kriegsende auf einem Dachboden in Amsterdam.
Am 5. Mai 1945 verließ er sein Versteck und meldete sich mit dem ebenfalls desertierten Bruno Dörfler bei den Kanadiern. Einweisung in das Lager mit deutschen Kriegsgefangenen in Hembrook. Dort von den eigenen Kameraden verurteilt.
8. Mai 1945 deutsche Kapitulation. Am 13.5.1945 wurden beide mit den von den Kanadiern geborgten Waffen erschossen.